Robert Lindner

Piktomoji

Robert Lindner interessieren Zeichen. Zeichen als Träger von Information, die auf einen Inhalt (auf etwas Bezeichnetes – also auf ein „Was") hinweisen. Aber ihn interessiert auch, „wie" diese Zeichen das tun.

In der Kommunikation mit anderen über Worte und gesprochene Sätze glauben wir das, was wir mit den Zeichen inhaltlich sagen wollen, vom Empfänger in gleicher Weise, wie wir es denken, entschlüsselt wird. Dies wird meist nicht vom Empfangenden einer Information überprüft. Das „Was" einer Kommunikation wird also im Verlaufe dieser Kommunikation stets verändert und bedarf genauer sozialer Verabredung, um „richtig" (im Sinne des Senders) entschlüsselt zu werden. Alle Zeichen, die in der Kommunikation verwendet werden, reduzieren notwendigerweise Komplexität. Das ist einerseits ein genialer, kreativer Vorgang und zugleich ein Risiko, dass relevante gemeinte Informationen verloren gehen.
Der viel zitierte Satz von Niklas Luhmann: „Der Mensch kann nicht kommunizieren; nur die Kommunikation kann kommunizieren" tilgt den Autor und seine Absicht und verweist auf eine mögliche Verselbstständigung von Kommunikationsstrukturen. Dies mag bei manchen digitalen Kommunikationsprozessen.

Dies mag bei manchen digitalen Kommunikationsprozessen stimmig sein, da nämlich, wo mittels Zeichen kommuniziert wird, eine noch stärkere Komplexitätsreduktionen vor sich geht.
Wenn Paul Watzlawik postuliert: „man kann nicht nicht kommunizieren" spielt er dabei darauf an, dass auch (unbeabsichtigte) physiologische Reaktionen Kommunikation sind (Blickrichtung, Geräusche, Muskelspannungen, Hautrötung, Geruchsabsonderung oder anderes). Auch Schweigen ist nicht Abwesenheit von Kommunikation, sondern Kommunikation. Somit sind auch physiologische Reaktionen Zeichen.
Kommunikationsmittel, Kommunikationsmuster und -strukturen und die besondere Form der Kommunikation prägen also gleichfalls das „Wie" der Kommunikation und auch das „Wie" der Zeichen. Ergänzende Zeichen, wie Mimik und Gestik und unterschiedliche körperliche Reaktionen des Kommunikationspartners, werden in digitalen Kommunikationsstrukturen vermisst und durch Emojis ersetzt.
Je kürzer Textinhalte werden, je weniger erläutert wird, umso mehr werden Emojis als weitere Zeichen in die digitale Kommunikation eingebracht.

Robert Lindner, Sabine Klenke

2016 - 2017 Piktomoji, Installation „cherry–testikel and the toilet“ Häkel Objekte auf Schwarzem Glas

2016 - 2017 Piktomoji, Installation
„cross–icon“, Stoff Objekt

2016 - 2017 Piktomoji, Installation
„abdomen of a man“, Häkel Objekt

Roberts Lindners Installation „Piktomojis" beschäftigt sich mit digitalen Piktogrammen/Emojis. Diese finden z.B. in der digitalen Kommunikation zur schnellen Verständigung emotionalen Anreicherung Verwendung (wie Smileys). Der Künstler geht mit einer codierten Bildsprache experimentell um. Er nutzt Piktogramme (eine bildliche Darstellung von Kurzinformation). Ihre Lesbarkeit wird üblicherweise innerhalb eines bestimmten Kulturkreises schnell erlernt. So wie der Künstler die Emojis in seiner Installation präsentiert – genäht, gehäkelt, in farbige Stoffe gekleidet,– bleiben sie nicht nur Piktogramm, sondern werden zugleich zum Symbol. Die verwendeten Materialien bringen eine Zusatzinformation ein und ihre installative Anordnung führt zu einer versetzten Kommunikation der genähten oder gehäkelten Zeichen. So wird ein W-LAN-Zeichen in einem Stoff präsentiert, den Krankenschwestern in der Pflege trugen, ein genähtes Erste-Hilfe-Kreuz bekommt die Fülligkeit eines Kissens und gehäkelte rote Karotten gehen in einen geradezu zärtlichen Dialog miteinander. Sie werden auf Trägermaterialien präsentiert, die Zusatzinformationen beisteuern, die den Kontext zugleich verfremden und Rückbezüge auf frühere Arbeiten herstellen, z.B. durch das Loch in der Trägerplatte.

Robert Lindner, Sabine Klenke

2016-2017 Piktomoji, Installation
„cherrry - testicle“, Häkel Objekt

2016-2017 Piktomoji, Installation
„carrots - idol“ Detail Aufnahme der Häkel Objekte auf Lenolium

Das Material

Auch beim Material ist es Robert Lindner wichtig, dass das Material selbst Zeichen ist. Zugleich trägt Material Zusatzinformation des jeweiligen Kontextes, aus dem die Betrachtenden es kennen. Material erzählt über seine Herkunft und über die klassischen Kontexte seiner Verwendung. Die verwendete Form (je nach Emoji) bringt es in einen neuen – ungewohnten Dialog, eine Kontextverschränkung. Bei den gehäkelten Objekten nimmt der Künstler die Häkelschlaufe als Metapher für Gedankenschleifen und vergleicht sie mit binären Codes (1:0:1), die durch ihre Aneinanderreihung zu dreidimensionalen Körpern werden.Andere Objekte näht er aus industriell gefertigten Stoffen (Fundstücke). Durch ihre neue Form werden sie nun zu vermischten Zeichen. Zudem verwandelt er, im digitalen Kontext entstandene, zweidimensionale Zeichen in ungewohnte dreidimensionale Körper – verräumlicht somit die digitalen, zweidimensional konzipierten Emojis. So transformiert er Zeichen.

Robert Lindner, Sabine Klenke

2016 - 2017 Piktomoji,
Installation „wireless–nurse–access“, W-Lan Stoff Objekt auf Kunstrasen

2016 - 2017 Piktomoji,
Werkzeichnungen „Gestische Gedankenschlaufen“, Häkel Anleitung

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