Robert Lindner

Räume zweiter Ordnung

Erinnerung ist subjektiv – und gefüllt mit emotionalem, sinnesspezifischem Wiedererleben. Robert Lindner deutet an: Er stellt den Teil eines Raums in den Raum, eine Kulisse. Die Betrachter/innen sehen Fragmente – Fragmente einer Kinderzimmer-Tapete, eines babyblauen kuscheligen Teppichs, eines hübsch gemachten Kinderzimmers. Sie sehen ein Loch in der angedeuteten Zimmerwand – ein Gloryhole? – etwas, das nun wirklich nicht ins Kinderzimmer gehört! Indem er hinter der Wand mit dem Loch noch einen Betrachterraum baut, versichert er den Betrachtern/innen, dass die Assoziation offenbar nicht zufällig entstand. Er lässt den Betrachter/innen damit neu auf den Raum schauen, er bietet an, ihn als Künstler dabei zu beobachten, dass er hier offenbar eine eigene biografische Beobachtung (ein eigenes Erleben) sichtbar werden lässt, beobachtbar macht.

Etwas, was als Erinnerung erlebt wurde, unbeobachtet war, wird nun – trotz Abwesenheit der Akteure - sichtbar / beobachtbar. Vielleicht hat er sich bei dieser Arbeit mit einem eigenen „blinden" Fleck beschäftigt – vielleicht trug aber das „Zeigen" dieser Räume dazu bei, sich von der Erinnerung in bearbeitender Weise zu befreien. Erinnerungen sind immer in einen Geschehenskontext / Erlebnisraum eingebettet. Das Erschaffen einer Raum im Raum-Situation stellt eine installative Auseinandersetzung mit der Behauptung dar, dass sich eine Kulisse „in sich" konstituiert, wie das Wesen von Erinnerungen. Die Konstruktion der Kulisse vermittelt dem Rezipienten/innen auf sinnliche Weise einen körperlichen Bezug zu der Konstruktion des Wesens einer Erinnerung.

2015 - 2016 Räume zweiter Ordnung,
Installation „Zitat eines Kinderzimmers“

Zitat eines Kinderzimmers

Das erste Element: Ein Zimmer, das mit Wolkentapete und einem babyblauen Teppichboden in Erscheinung tritt. Ein Kinderzimmer. Jedoch drängt sich schnell eine Störung im „Heile-Welt-Image" auf. Es befindet sich, an der Wand ein „Gloryhole". Der Boden hat zum Loch eine leichte Neigung, so dass, wenn der Raum betreten wird, sich die Betrachrer/innenzum Loch hingezogen fühlen. Dahinter befindet sich ein weiterer begehbarer Raum, in den hineingetreten werden kann. Der Künstler bezieht die Betrachter/innen mit ein, lässt sie ein Teil der Arbeit werden.

2015-2016 Räume zweiter Ordnung,
Installation „Zitat eines Kinderzimmers“,
Die Aufnahme zeigt die Kammer hinter dem Gloryhole.

2015 - 2016 Räume zweiter Ordnung,
Werkzeichnungen zur Installation,
„Zitat eines Kinderzimmers“, „Zitat einer Dusche“

Konstruktionsgrafik zur Installation, Räume zweiter Ordnung, „Zitat eines Kinderzimmers" und „Zitat einer Dusche" sind in den Maßen und der Grundform gleich angelegt.

2015 – 2016 Räume zweiter Ordnung,
Installation „Zitat einer Dusche“

2015 – 2016 Räume zweiter Ordnung,
Installation „Zitat einer Dusche“, Detail Aufnahme

Zitat einer Dusche

Das zweite Element steht im Zusammenhang mit dem Raum „Zitat eines Kinderzimmers". Durch den Zusammenhang mit dem Kinderzimmer fragt sich der Betrachter/innen, welche Art der Erinnerung hier wirkt. Ohne ein vollständiges Bild zu vermitteln, was Wahrheit inne hat noch was als Wahrheit Gültigkeit besitzt. Es bleibt etwas offen. Etwas, was noch zu füllen ist. In dem „Zitat einer Dusche" agiert eine Lichtquelle, (als Wasserversorgungsröhre getarnt) die scheinbar eine Zeichnung auf die Fliesen projiziert, dies aber nicht wirklich einlöst. Ein Verweis auf das Hier und Jetzt. Die Erinnerungen sind neu zu beleuchten, neu zu bewerten. Die Projektionsfläche an sich dient als Mittler des Transformationsprozesses, analog den Sensoren einer Kamera, die einzelne Pixel verarbeiten. Sie dient damit sozusagen der Erneuerung der Erinnerung. Die Fliesen verfügen über eine Patina, die auf die Zeitlichkeit verweist.

2015 - 2016 Räume zweiter Ordnung,
Werkzeichnungen zur Installation,
„Zitat eines Kinderzimmers“, „Zitat einer Dusche“

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